Silke: "Hallo Petrus, wir von der jg-Redaktion haben
uns überlegt, einmal eine Ausgabe zum Thema `Schlaf` zu machen. Kannst
Du Dich noch erinnern, was Du früher vom Schlafen gehalten hast?"
Petrus: "Schlafen? Hm, laß mich mal einen Moment überlegen.
Es ist schon verdammt lange her, daß ich auf der Erde rumspaziert
bin. Über das Schlafen nachgedacht habe ich eigentlich nie. Als ich
noch Fischer war, fiel ich nach der getanen Arbeit meistens wie ein Stein
auf mein Bett. Meine Frau fand das nicht so lustig, weil sie sich meistens
gerne noch ein bißchen mit mir unterhalten hätte. Ja, ich habe
geschlafen, weil ich k.o. war. Manchmal habe ich von der Arbeit geträumt.
Das war nicht immer nett, da ich im Traum immer Angst hatte, daß
mein Kahn untergeht. Als Fischer schläft man, weil man müde ist
von der Arbeit, oder ich döste vor mich hin, weil es heiß war
und ich gerade eh nichts tun konnte. Eine persönliche Meinung habe
ich nicht zum Thema 'Schlaf'."
Silke: "Okay, Du hast also keine persönliche Meinung
zu unserem Thema. Schlafen gehörte für Dich einfach so zu Deinem
Leben als Fischer dazu, ebenso wie das Träumen. Ich nehme an, daß
Du in den letzten anderthalb tausend Jahren mal was vom Neuen Testament
gehört hast."
Petrus: "Ja, zu meiner Zeit gab es das selbstverständlich
noch nicht. Es ist auch kein Science Fiction Roman, sonst hätte es
das Buch schon geben können. Aber Du willst sicher wissen, ob ich
da mal reingeschaut habe? Ja ich hab's mal gelesen. An manche Geschich-ten
kann ich mich nicht mehr so erinnern - im Groben stimmt das so. Aber was
hat das Neue Testament mit mir und dem Thema Schlaf zu tun?"
Silke: "Uns vom Redaktionsteam fiel die Geschichte vom
Garten Gethsemane ein."
Petrus: "Oh, an diesen ganzen Tagen vor der Kreuzigung habe
ich keine so brillante Figur gemacht - mußt Du mich daran erinnern?"
Silke: "Wenn Du nicht willst, brauchen wir nicht darüber
zu reden, aber dann hat unsere jg-Ausgabe einen Artikel weniger... Vielleicht
erzählst Du mir erst noch, ob sich Dein Schlafverhalten geändert
hat, als Du Jünger von Jesus wurdest."
Petrus: "Wir sind viel umhergezogen, in Gegenden, die ich
gar nicht kannte. Zum Glück waren wir öfter am See Genezareth.
Ein Fischer ganz ohne Wasser, das wäre nicht gegangen. Wir waren viel
unterwegs. Ich hörte die Geschichten Jesu, diskutierte mit anderen
darüber oder dachte darüber nach - es war eine ganz andere Zeit.
Und es war auf eine ganz andere Art anstrengend, so daß ich auch
dann abends froh war, mich endlich schlafen legen zu können. Aber
es war anders: Als Fischer war klar, wann die Arbeit zu Ende war, aber
mit Jesus...so richtig gearbeitet haben wir da nicht. Ich hätte nie
gedacht, daß Erleben, Zuhören und andere Menschen so anstrengen
können. Die Tage hatten keinen klaren Anfang und kein klares Ende.
Immer wieder schliefen wir an anderen Plätzen."
Silke: "Ich schlafe auch am liebsten in meinem eigenen
Bett. Aber erzähl' doch bitte etwas über Gethsemane!"
Petrus: "Wenn ich hier schon über so etwas Persönliches
wie mein Schlafverhalten berichte und die story eh in dem Neuen Testament
abgedruckt ist, kann ich es auch erzählen. Ich möchte nicht wissen,
was ihr Christen für ein Bild von mir habt! An den letzten Tagen vor
der Kreuzigung überschlugen sich die Ereignisse: die ständige
Spannung in der Luft, Jesu rätselhafte Worte, die Probleme mit Judas,...
Wir alle wußten, daß bald etwas geschehen wür-de, womit
wir alle nicht rechneten. Aber ich war mir sicher, daß ich auf jeden
Fall zu Jesus halten würde und ihm in allen Gefahren beistehen wollte.
Aber wie Du weißt: In Gethsemane habe ich geschlafen wie ein Baby
und später bekam ich es mit der Angst zu tun und habe Jesus doch verraten.
Ich war ein Versager! Da hatte uns Jesus extra gebeten, wach zu bleiben,
und wir spürten, daß es ihm viel bedeutete, weil es ihm ziemlich
schlecht ging... Und ich bin doch dreimal tief eingeschlafen. Ich war so
erschöpft von den letzten Tagen und Stunden, daß ich meinem
Meister nicht beistehen konnte, als er mich brauchte, als es ihm wichtig
war. In einem entscheidenden Augenblick meines Lebens habe ich geschlafen,
einen wichtigen Moment ver-schlafen, weil ich meinen Körper nicht
mehr beherrschen konnte. Du hast mich nach meiner Einstellung zum Schlafen
gefragt. Es ist natürlich und schön einfach sich hinzulegen und
zu schlafen. Es tat mir immer gut zu schlafen. An sich finde ich schlafen
sehr positiv, aber auf dem Hintergrund dieser Geschichte... Wahrscheinlich
ist es am besten, in wichtigen Zeiten einfach mehr Energie aufzuwenden,
wachsam zu sein und auf die Dinge, die geschehen, zu achten. Ob es sich
machen läßt, im richtigen Augenblick der Aufforderung "Wachet
und betet" zu folgen, weiß ich nicht. In Gethsemane ist es mir
nicht gelungen. Als ich selber verfolgt wurde, war ich oft wach und betete.
Menschen sind Menschen - wir machen Fehler. Das dürfte sich in den
letzten 2000 Jahren nicht geändert haben. Aber auch unsere Fehler
können uns wach rütteln, wenn sie uns bewußt werden. Das
mit dem Schlafen ist keine so einfache Sache, wie es mir eingangs erschien.
Es ist schwer, mit dem Aspekt umzugehen, etwas zu verschlafen - aber das
kann einem auch passieren, wenn man eigentlich wach ist."
Silke: "Meine Güte Petrus, Du bist ganz schön
modern: nichts läßt sich eindeutig sagen, alles bedingt sich
irgendwie gegenseitig, alles hat mindestens zwei Seiten und endet mit einem
klaren 'ja, aber...'. Ich hätte nicht vermutet, daß ihr damals
auch schon so gedacht und argumentiert habt! Obwohl ich jetzt keine eindeutige
These habe, was Du, Petrus, über den Schlaf sagst, bedanke ich mich
ganz herzlich dafür, daß ich Dich für dieses Gespräch
stören durfte..."
Petrus: "Mir hat es Spaß gemacht mal über den
Schlaf nachzuden-ken, auch wenn es mich an unangenehme Situationen erinnert
hast."
Silke: "Es ist normalerweise so, daß diejenigen,
die wir intervie-wen auch ein Belegexemplar der jg-Ausgabe bekommen - aber
bei Deiner Adresse ist das ein wenig schwierig. Ist das in Ordnung, wenn
wir in Deinem Fall davon absehen?"
Petrus: "Eigentlich würde ich die anderen Artikel auch
gerne lesen, aber ich werde mal beide Augen zudrücken..."
Silke: "Um Dich schlafen zu legen?"
Petrus: "Du weißt doch, daß das eine Redewendung
ist!"
Silke: "War nur `ne dumme Bemerkung. Danke für Dein
Verständnis und Deine Zeit. Wir vom Redaktionsteam wünschen Dir
weiterhin alles Gute!" .
Silke Krüger