Zum siebten haben wir uns über den Eid folgendermaßen geeinigt:
Der Eid ist eine Bekräftigung unter denen, die zanken oder Versprechungen machen, und es ist im Gesetz befohlen, daß er im Namen Gottes allein wahrhaftig und nicht falsch geleistet werden soll. Christus, der die Erfüllung des Gesetzes lehrt, der verbietet den Seinen alles Schwören, sowohl recht als auch falsch, sowohl beim Himmel als auch beim Erdreich, bei Jerusalem oder bei unserm Haupt, und das aus dem Grund, den er gleich darauf ausspricht: "Denn ihr könnt nicht ein Haar weiß oder schwarz machen" [Matth. 5, 33-37]. Sehet zu! Darum ist alles Schwören verboten.
Denn wir können nichts von dem garantieren, was beim Schwören versprochen wird, weil wir an uns nicht das Geringste ändern können. Nun sind einige, die dem einfältigen Gebot Gottes nicht Glauben schenken, sondern sagen und fragen so: Ei, nun hat Gott dem Abraham bei sich selbst geschworen, weil er Gott war (als er ihm nämlich versprach, daß er ihm wohl wollte und daß er sein Gott sein wollte, wenn er seine Gebote hielte);
warum sollte ich nicht auch schwören, wenn ich einem etwas verspreche? Antwort: Höre, was die Schrift sagt: "Als Gott den Erben der Verheißung auf überschwängliche Art beweisen wollte, daß sein Ratschluß nicht wankt, legte er einen Eid ab, damit wir durch zwei unerschütterliche Dinge (wodurch es unmöglich war, daß Gott lügen könnte) einen starken Trost haben" [vgl. Hebr. 6,i7f.]. Merke die Bedeutung dieser Schriftstelle: Gott hat Gewalt zu tun, was er dir verbietet. Denn es ist ihm alles möglich. Gott hat dem Abraham einen Eid geschworen - sagt die Schrift -, um zu beweisen, dass sein Rat nicht wankt. Das heißt: Es kann niemand seinem Willen widerstehen und hinderlich werden. Darum konnte er den Eid halten. Wir aber vermögen es nicht, wie es oben von Christus ausgesprochen ist, dass wir den Eid halten oder leisten. Darum sollen wir nicht schwören. Nun sagen weiter einige so: Es ist im Neuen Testament nicht verboten, bei Gott zu schwören, und im Alten sogar geboten.
Dagegen sei lediglich verboten, beim Himmel, Erdreich, bei Jerusalem und bei unserm Haupt zu schwören. Antwort. Höre die Schrift: "Wer da schwört beim Himmel, der schwört beim Stuhl Gottes und bei dem, der darauf sitzt" [Matth. 23,22}. Merke: Schwören beim Himmel, der ein Stuhl Gottes ist, ist verboten. Wie viel mehr ist es bei Gott selbst verboten! Ihr Narren und Blinden, was ist größer, der Stuhl oder der darauf sitzt? Auch sagen einige so: Wenn es nun unrecht ist, dass man Gott zur Wahrheit gebraucht, so haben die Apostel Petrus und Paulus auch geschworen. Antwort: Petrus und Paulus bezeugen allein das, was von Gott Abraham durch den Eid verheißen war, und sie selbst verheißen nichts, wie die Beispiele klar zeigen. Aber Zeugen und Schwören ist zweierlei. Denn wenn man schwört, so verheißt man Dinge, die noch in der Zukunft liegen, wie dem Abraham Christus verheißen wurde, den wir lange Zeit hernach empfangen haben. Wenn man aber zeugt, dann bezeugt man das Gegenwärtige, ob es gut ist oder böse, wie der Simeon zu Maria von Christus sprach und ihr bezeugte: "Dieser wird gesetzt zu einem Fall und einer Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird" [Luk. 5, 34]. Dasselbe hat uns auch Christus gelehrt, als er sagte: "Eure Rede soll sein ja ja und nein nein; denn was darüber ist, ist vom Argen" [Matth. 5, 37}. Er sagt: Eure Rede oder euer Wort soll sein ja und nein, was man nicht so verstehen kann, als ob er den Eid zugelassen habe. Christus ist einfältig ja und nein, und alle, die ihn einfältig suchen, werden sein Wort verstehen. Amen.
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das sind die Artikel, die einige Brüder bisher falsch und dem wahren Sinn zuwider verstanden haben. Sie haben damit viele schwache Gewissen verwirrt, wodurch der Name Gottes sehr schwer gelästert worden ist. Darum ist es notwendig gewesen, dass wir im Herrn übereingekommen sind, wie es auch geschehen ist. Gott sei Lob und Preis. Weil Ihr nun den Willen Gottes reichlich verstanden habt, wie er jetzt durch uns offenbart ist, wird es notwendig sein, dass Ihr den erkannten Willen Gottes beharrlich und ohne Aufschub vollbringt. Denn Ihr wisst wohl, was dem Knecht an Lohn gehört, der wissentlich sündigt.
Alles, was Ihr unwissentlich getan habt und was Ihr bekannt habt, unrecht gehandelt zu haben, das ist Euch verziehen durch das gläubige Gebet, das in uns in der Versammlung vollbracht ist für unser aller Verfehlung und Schuld, durch die gnädige Verzeihung Gottes und durch das Blut Jesu Christi. Amen.
Habt acht auf alle, die nicht nach der Einfältigkeit göttlicher Wahrheit wandeln, die in diesem Brief von uns in der Versammlung zusammengefaßt ist, damit jedermann unter uns regiert werde durch die Regel des Banns und forthin der Zugang der falschen Brüder und Schwestern unter uns verhütet werde.
Sondert ab von Euch, was böse ist, so will der Herr Euer Gott sein und Ihr werdet seine Söhne und Töchter sein.
Liebe Brüder, seid eingedenk, mit was Paulus seinen Titus ermahnt. Er spricht so: "Die heilsame Gnade Gottes ist erschienen allen und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt und warten auf dieselbe Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes unseres Heilands Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf dass er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das da eifrig wäre zu guten Werken" [Tit. 2,11-14].
Das bedenkt und übt Euch darin, so wird der Herr des Friedens mit Euch sein.
Der Namen Gottes sei ewig gebenedeit und hoch gelobt. Amen.
Der Herr gebe Euch seinen Frieden. Amen.
Geschehen in Schleitheim am Randen, auf Matthiae [24. Febr.], Anno 1527.
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